Fungizidstrategie Kartoffel im August

Warum sich das Ziel verschiebt

Bis in den Hochsommer dient die Spritzfolge der Ertragsbildung: gesundes Kraut, möglichst lange Assimilationsleistung. Ab Mitte August ändert sich die Aufgabe. Jetzt geht es um den Schutz der Knollen und um die Frage, in welchem Zustand die Ernte ins Lager kommt.

Damit wird die Fungizidstrategie in der Kartoffel zum Teil eines größeren Terminplans. Letzte Fungizidmaßnahmen, Keimhemmung und Sikkation drängen sich in ein Fenster von wenigen Wochen und binden sich terminlich gegenseitig.

Was sich Mitte August im Bestand verändert

Der Krautzuwachs lässt nach, die Blattmasse altert. Der Spritzbelag muss damit weniger Neuzuwachs abdecken. Das ist eine Erleichterung, die durch zwei andere Entwicklungen aufgewogen wird.

Erstens gewinnt Alternaria in alterndem, physiologisch belastetem Blattapparat an Bedeutung. Zweitens verschiebt sich das Schutzziel: Von befallenem Kraut abgeschwemmte Sporen können bei Niederschlag zur Knolle gelangen. Die Krautfäulebekämpfung im späten Kulturverlauf ist deshalb weniger eine Ertrags- als eine Qualitätsmaßnahme. Sie entscheidet mit über Faulanteil und Lagerstabilität.

Ein vorzeitiger Abbruch der Spritzfolge ist an dieser Stelle riskant, auch wenn der Bestand optisch bereits abbaut.

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Der Terminplan wird jetzt rückwärts gerechnet

Den Ausgangspunkt bildet der geplante Rodetermin, aus dem sich der Sikkationstermin ergibt. Davor liegt die Keimhemmung: Maleinsäurehydrazid muss etwa zwei bis drei Wochen vor der geplanten Sikkation ausgebracht werden. Die letzten Fungizidmaßnahmen müssen in dieses Gefüge hineinpassen.

Aus dieser Verkettung folgt eine praktische Konsequenz: Die Entscheidung über das Ende der Spritzfolge fällt nicht spontan im Feld, sondern ergibt sich aus dem Rodeplan. Verschiebt sich der Rodetermin, verschiebt sich die gesamte Kette mit.

Schon gewusst?

Die Keimhemmung braucht einen aufnahmefähigen Bestand. Maleinsäurehydrazid wird über das grüne Blatt aufgenommen und in die Knolle verlagert. Ein bereits stark abgereifter oder von Krankheiten gezeichneter Blattapparat kann diese Aufgabe nur eingeschränkt erfüllen. Die Krautgesundheit im August ist damit nicht nur eine Frage des Ertrags, sondern auch die Voraussetzung dafür, dass die Keimhemmung überhaupt ankommt.

Warum bei der Keimhemmung oft nur ein Bruchteil ankommt

Maleinsäurehydrazid hemmt die Zellteilung in der Knolle und erhöht so die Lagerstabilität. Die Anwendung erfolgt bereits im Feld und dort liegt die Schwierigkeit.

Der Wirkstoff ist hoch wasserlöslich. Die Absorption durch die Wachsschicht des Blattes verläuft deshalb sehr langsam, sodass das Risiko besteht, dass nur ein Bruchteil der ausgebrachten Menge tatsächlich aufgenommen wird. Bei einer Maßnahme, deren Erfolg sich erst Monate später im Lager zeigt, ist das ein schwer zu kontrollierender Punkt.

KANTOR zu Fungizid, Keimhemmung, Sikkation

KANTOR ist ein Zusatzstoff nach § 42 Pflanzenschutzgesetz. Die Aufwandmenge im Ackerbau beträgt 0,15 Prozent, KANTOR wird immer zuerst dem Spritzwasser zugegeben.

  • Zur Krautfäulebehandlung: In Exaktversuchen von agro nord in Groß Lüsewitz (2015-2017, Sorte Fasan) lagen die Varianten mit KANTOR-Zusatz bei 200 wie bei 400 l Wasser/ha ertraglich über der jeweiligen Vergleichsvariante.
  • Zur Keimhemmung: In einem On-farm-Praxistest 2023 (Sorte Fontane, Anwendung Ende August) lag der Maleinsäurehydrazid-Gehalt in der Knolle bei alleiniger MH-Anwendung bei 7,6 mg/kg, in Kombination mit Fungizid bei 12,7 mg/kg und mit KANTOR-Zusatz bei 28,2 mg/kg.
  • Zur Sikkation: Unsere Versuche bei agro nord in Groß Lüsewitz (z.B. 2017, Sorte Fasan, 200 l Wasser/ha) zeigt für die Bonitur 14 Tage nach Anwendung eine höhere Blatt- und Stängelwirkung mit KANTOR-Zusatz. Termin, Aufwandmenge und Wassermenge bleiben dabei die maßgeblichen Stellgrößen.

Die genannten Versuche sind auch in unserer Ackerbaubroschüre hinterlegt.

Vom Lager her denken

Die letzten Wochen im Bestand entscheiden über eine Qualität, die sich erst im Lager zeigt und dann nicht mehr korrigierbar ist. Krautgesundheit, Keimhemmung und Sikkation greifen dabei so eng ineinander, dass sie sich nur gemeinsam planen lassen.

Praktisch heißt das: Rodetermin festlegen, Sikkation davorlegen, Keimhemmung mit dem nötigen Abstand einplanen und die Spritzfolge so führen, dass der Bestand bis dahin aufnahmefähig bleibt.

Sie stimmen gerade Ihre letzten Maßnahmen vor Sikkation und Rodung ab? Unsere Experten gehen die Reihenfolge mit Ihnen durch und ordnen den KANTOR-Zusatz für Ihre Situation ein.

Häufige Fragen zur Fungizidstrategie in Kartoffeln

Die häufigsten Fragen und Antworten kurz zusammengefasst.


Sebastian Deimel

Zuletzt aktualisiert am 31.08.2026 um 07:55 Uhr