Ramularia in Gerste
Blattgesundheit gezielt sichern
Ramularia ist heute eine der bedeutendsten Blattkrankheiten in der Gerste. Ihr unauffälliger Verlauf, die Ähnlichkeit mit anderen Blattflecken und zunehmende Fungizidresistenzen machen die Bekämpfung anspruchsvoll. Eine durchdachte Strategie im integrierten Pflanzenschutz ist unerlässlich.
Hintergrund zur Krankheit
Gerste zählt weltweit zu den wichtigsten Kulturpflanzen - auch in Deutschland hat sie sich auf breiter Fläche etabliert. Mit ihrer weiten Verbreitung steigt zugleich das Risiko für pilzliche Erkrankungen. Eine davon hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen: die Ramularia-Sprenkelkrankheit, ausgelöst durch den Erreger Ramularia collo-cygni.
Lange Zeit wurde die Krankheit im Feld kaum erkannt - ihre typischen Flecken wurden häufig als Sonnenbrand oder physiologische Blattflecken fehlinterpretiert. Heute weiß man: Ramularia ist weit verbreitet und nutzt verschiedene Wege, um in den Bestand zu gelangen - etwa über Saatgut, Wind oder infizierte Stoppeln. Besonders in Jahren mit feuchten Frühphasen und anschließender starker Sonneneinstrahlung nimmt der Befallsdruck deutlich zu.

Die große Herausforderung: Ramularia bleibt lange symptomlos, ist aber bereits im Pflanzengewebe aktiv. So kommt es oft zu plötzlichem, massivem Befall im späten Entwicklungsstadium. Wer dem effektiv begegnen will, braucht eine ganzheitliche Strategie - mit vorbeugenden Maßnahmen und einem gezielten Pflanzenschutzmanagement.
Symptome erkennen
Die Ramularia-Sprenkelkrankheit zeigt sich meist erst ab dem Stadium des Ährenschiebens - und das oft schlagartig. Die ersten sichtbaren Anzeichen sind sehr kleine, dunkle Punkte. Sie sind zunächst kaum zu erkennen und treten vorwiegend auf den mittleren und oberen Blattetagen auf. Mit zunehmender Krankheitsentwicklung entwickeln sich daraus unregelmäßig geformte, schwarz-braune Flecken, die häufig von einem schmalen, gelblichen Hof umgeben sind.
Typisch für Ramularia ist die klare Begrenzung der Flecken durch die Blattadern. Während die breiten Seiten oft scharf abgegrenzt sind, verlaufen die schmalen Enden der Nekrosen diffus und unscharf. Die Flecken können ineinander übergehen, wodurch großflächige, nekrotische Bereiche entstehen - das mindert die Assimilationsfläche deutlich und kann den Ertrag empfindlich beeinträchtigen.
Die genaue Diagnose im Bestand ist allerdings schwierig. Ramularia-Symptome ähneln stark anderen Schadbildern wie Mehltauabwehr-Nekrosen, Pollenflecken, Netzflecken oder PLS (physiologische Blattflecken). Deshalb ist eine eindeutige Abgrenzung im Feld kaum möglich. Für eine verlässliche Bestimmung empfiehlt sich eine einfache Schnellmethode: Krankes Blattmaterial wird zwei Tage lang bei hoher Luftfeuchtigkeit in einem verschlossenen Folienbeutel inkubiert. Auf diese Weise fördert man die Sporulation des Pilzes.
Ein sicheres Merkmal von Ramularia ist das perlschnurartige Auftreten der Sporenträger aus den Spaltöffnungen der Blätter. Bereits mit einer 10-fach-Lupe lassen sich diese Strukturen erkennen - ein entscheidender Hinweis für eine gezielte Behandlung.

Da Ramularia sich bevorzugt in den oberen Blattetagen entwickelt, ist die Symptomkontrolle im Bereich des Fahnenblatts besonders wichtig. Denn hier entscheidet sich maßgeblich, wie viel Photosyntheseleistung der Bestand bis zur Abreife noch liefern kann. In stark befallenen Beständen kann es sogar zum Übergang der Symptome auf Grannen und Ähren kommen, was die Qualität der Ernte zusätzlich beeinträchtigt.
Für die Praxis bedeutet das: Wer Blattflecken in der Gerste feststellt, sollte nicht nur auf typische Netzflecken oder Rynchosporium achten, sondern gezielt auch Ramularia im Blick behalten - vor allem, wenn der Befall spät in der Vegetationsperiode und vorwiegend an den obersten Blättern auftritt. Nur eine differenzierte Betrachtung ermöglicht eine wirksame Bekämpfungsstrategie zur richtigen Zeit.
Verlauf und Ausbreitung
Ramularia ist kein typischer Krankheitserreger, der sich frühzeitig durch offensichtliche Symptome bemerkbar macht. Vielmehr agiert der Pilz lange Zeit unsichtbar - und genau das macht ihn so gefährlich. Die Infektion beginnt oft bereits im frühen Kulturstadium, die sichtbare Krankheit bricht aber meist erst viele Wochen später aus. Entscheidend ist, was in der Pflanze zwischenzeitlich passiert - und welche Umweltfaktoren den Krankheitsausbruch auslösen.
Infektionsverlauf im Pflanzenbestand
Nach der Infektion über die Spaltöffnungen lebt Ramularia collo-cygni zunächst symptomlos im Blattgewebe. Diese endophytische Phase kann sich über viele Wochen ziehen - von der Bestockung bis zum Ährenschieben. Erst wenn die Pflanze unter Stress gerät, etwa durch Nährstoffmangel, Hitze, intensive Sonneneinstrahlung oder Trockenphasen, bricht die Krankheit auf einmal sichtbar aus.
Ein weiterer Faktor ist die Wirkung spezieller Pigmente des Pilzes, sogenannter Rubelline. Unter UV-Licht scheinen diese Substanzen pflanzliche Zellmembranen zu schädigen und Nekrosen auszulösen - eine Hypothese, die die typische plötzliche Symptomatik erklärt. Zwar ist der genaue Mechanismus nicht abschließend erforscht, doch die Korrelation zwischen Sonnenstrahlung und Befallsdruck ist in der Praxis klar erkennbar.

Einfluss von Klima und Standort
Feuchte Frühjahre mit anschließendem Sonnenwetter fördern die Ramularia-Symptomatik besonders stark. Dichte Bestände zeigen dabei häufig weniger sichtbaren Schaden, da die Blätter besser beschattet sind. Auch Sortenwahl, Düngestrategie und Saatzeit beeinflussen die Befallsintensität: Extensiv geführte Braugerste mit reduzierter Stickstoffversorgung zeigt tendenziell frühere Symptome als üppig gedüngte Wintergerste.
Frühe Infektionen können zudem über infiziertes Saatgut erfolgen. Dabei bleibt der Erreger im Embryo verborgen und verursacht erst später Symptome - eine Gefahr, die ohne gezielte PCR-Diagnostik kaum erkannt wird. Stress durch Frost, Nährstoffmangel oder Alterung der Pflanze kann die Sporulation auf älteren Blättern beschleunigen und damit weitere Infektionswellen lostreten.
Verbreitungswege und Sporeneintrag
Ramularia nutzt unterschiedliche Übertragungswege: Regen, Wind, Stoppeln und sogar symptomlose Wirtspflanzen wie Mais oder Weizen. Besonders während längerer Blattnässe entstehen in kurzer Zeit riesige Mengen an Sporen, die bei Wetterwechsel großflächig verteilt werden. Beobachtungen zeigen, dass infizierte Sporen mit dem Wind über Bundesländer hinweg verfrachtet werden - etwa aus Südostdeutschland bis nach Schleswig-Holstein.
Zudem kann der Erreger auf Gräsern, Mais oder Stoppeln überdauern - teils ohne Symptome, aber mit hoher Sporenproduktion. Diese „stillen Reservoire“ stellen eine unterschätzte Infektionsquelle dar. Besonders gefährlich ist dabei die Bildung geschlechtlicher Sporen auf Ernteresten, da sie zu genetischen Anpassungen führen und neue Varianten hervorbringen können.
Fungizide richtig einsetzen
Ramularia stellt besondere Anforderungen an den Pflanzenschutz - nicht zuletzt, weil die Symptome oft zu spät sichtbar werden. Um Ertragsverluste zu vermeiden, muss der Fungizideinsatz frühzeitig, strategisch und gut abgestimmt erfolgen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt dabei nicht allein im Wirkstoff, sondern im gesamten Anwendungssystem.
Zeitpunkt und Wirkstoffe
Eine erste Maßnahme kann im frühen Stadium BBCH 31-39 erfolgen, um möglichst viel gesunde Blattmasse zu schützen. Der zweite, entscheidende Einsatz folgt dann zum Grannenspitzen (BBCH 49-51), wenn der Befallsdruck erfahrungsgemäß am höchsten ist. In Kombination bewährt haben sich Triazole wie Mefentrifluconazol oder Prothioconazol mit Carboxamide. Zusätzlich ist der Kontaktwirkstoff Folpet empfehlenswert. Er wirkt rein protektiv, mindert aber das Risiko von Resistenzen.
KANTOR als Wirkungsverstärker
Für eine optimale Wirkung muss der Wirkstoff die Blattoberfläche sicher benetzen, gleichmäßig verteilt werden und in die Pflanze eindringen - hier kommt KANTOR ins Spiel. Als vielseitiges Additiv übernimmt es gleich mehrere Funktionen:
- Anhaftung: verhindert das Abperlen der Spritztröpfchen – und damit Wirkstoffverluste.
- Benetzung: sorgt für ein gleichmäßiges Aufspreiten der Flüssigkeit über das gesamte Blatt.
- Penetration: Macht die Kutikula kurzfristig durchlässiger für Wirkstoffe - ohne Schädigung der Pflanze.
- Wasserkonditionierung: Bindet Calcium und Magnesium Ionen im Spritzwasser und puffert den pH-Wert.
Diese Eigenschaften machen KANTOR zu einem wertvollen Baustein im Spritzprogramm. Die dargestellten Versuchsergebnisse zeigen: Der Zusatz von KANTOR verbessert die Ramularia-Wirkung und macht sich vielfach bezahlt.

Praktischer Nutzen im Betrieb
Ein leistungsfähiges Additiv wie KANTOR schafft Handlungsspielraum: Es erhöht die Wirkstoffleistung, verbreitert den Anwendungszeitraum bei grenzwertiger Witterung und gleicht Abweichungen bei der Wasserqualität aus. In Kombination mit passend gewählten Fungiziden lassen sich damit auch Bestände mit hohem Befallsdruck erfolgreich schützen - und Ertragsverluste vermeiden. Wer heute wirtschaftlich Gerste anbauen will, kommt um diese gezielte Optimierung nicht herum.
Fazit
Ramularia zählt heute zu den komplexesten Blattkrankheiten im Gerstenanbau. Ihre lange symptomfreie Phase, das vielschichtige Zusammenspiel aus Umweltfaktoren und Stressbedingungen sowie die Vielzahl an Infektionswegen machen sie besonders schwer kalkulierbar. Umso wichtiger ist es, die Krankheit ganzheitlich zu betrachten und gezielt gegenzusteuern - mit vorbeugenden Maßnahmen, standortangepasster Bestandesführung und einem gut abgestimmten Fungizideinsatz.
Ein besonderes Augenmerk sollte auf dem richtigen Zeitpunkt der Behandlung liegen. Nur wer früh genug schützt, kann die entscheidenden oberen Blattetagen gesund erhalten - und damit das volle Ertragspotenzial sichern. Ergänzend sorgt der gezielte Einsatz von KANTOR dafür, dass die eingesetzten Wirkstoffe auch unter schwierigen Bedingungen ihre volle Wirkung entfalten können. Als Additiv verbessert es nicht nur die Anhaftung und Benetzung, sondern trägt maßgeblich zur Absicherung der Fungizidleistung bei.
Häufig gestellte Fragen
Die häufigsten Fragen und Antworten kurz zusammengefasst.
Zuletzt aktualisiert am 27.08.2026 um 16:04 Uhr
